„Triathleten sind sehr diszipliniert“ 30 Jahre "Kampfrichterei" – ein Gespräch mit Holger Wackerhage

16.03.2026 – Dr. Lutz Tantow / Holger Wackerhage

30 Jahre "Kampfrichterei" – ein Gespräch mit Holger Wackerhage

    1. Was hat dich zum Kampfrichter gemacht? Wie bist du dazu gekommen?

Im Verein wurde jemand gesucht, der Kampfrichter werden sollte. Da ich vor dem Triathlon als Handballschiedsrichter aktiv gewesen bin, konnte ich mir die Tätigkeit beim Triathlon auch vorstellen.

    2. 30 Jahre Kampfrichter – da erlebt man ja so einiges. Erzähl mal!

Gleich der erste Wettkampf Det's Duathlon in der Eilenriede Hannover ist mir in Erinnerung gebliebenen. Dort mussten einige Athleten direkt vor der Wechselzone eine „Stop-und-Go-Strafe“ (jetzt Zeitstrafe) ableisten. Hierfür gab es Szenenapplaus.

    3. Was war dein bester Einsatz, wo du dich als Kampfrichter so richtig wohlgefühlt hast, verstanden, angenommen, akzeptiert? Oder begegnet man dir immer mit der gleichen Aufgeschlossenheit?

Ein toller Einsatz war das Weltcuprennen auf den Bermudas, wo man zusammen mit Kollegen aus Bermuda, Kanada und Amerika eine neue Kultur und tolle Menschen kennenlernen durfte. Akzeptanzprobleme hatte ich bisher nicht. Auch mit Athleten, die ich wegen Regelvergehen disqualifizieren musste, kann man sich nach dem Rennen ganz in Ruhe unterhalten.

    4. Wenn man Kampfrichter ist, so etwas wie Schiedsrichter beim Fuß- oder Handball, dann gibt es ja wahrscheinlich auch bisweilen Konflikte („Schiedsrichter: Telefon!“)

Das war in der Anfangszeit der Bundesliga der Fall. Hier wurde durch die Teamleiter häufiger versucht, Diskussionen über Kampfrichterentscheidungen in Frage zu stellen. Durch die Einführung eines Bundesligabeauftragten in Person von Rainer Jung wurde ein Team inkl. der Kampfrichter geformt, sodass eine deutlich bessere Kommunikation möglich war.

    5. Welches war dein schlimmster Einsatz?

Weniger schlimm, eher herausfordernd war der Limmertriathlon, bei dem der Wettkampf auf der Langstrecke durch einen kräftigen Landregen begleitet wurde. Hier wurden gemeinsam mit Polizei und ASB kreative Lösungen (Wärmezelt, Angehörige mit in die Wechselzone, Polizeifahrzeuge für den Transport unterkühlter Athleten,...) gefunden, um den Wettkampf nicht abbrechen zu müssen.

    6. Gibt es Übergriffe? Wenn Entscheidungen nicht nur infrage gestellt, sondern nicht akzeptiert werden?

Beim Triathlon sind mir keine Fälle bekannt. Triathleten sind sehr diszipliniert. In den letzten Jahren gab es auch keine Fälle für die Disziplinarkommission, in der ich in Niedersachsen und bei der DTU bin.

    7. Wenn das Kampfrichten Spaß macht, ist dann Obmann-Sein nicht zu bürokratisch?

Es kommt darauf an, wie man das Amt ausfüllt. Es müssen formale Inhalte in Form der Regeländerungen jährlich vermittelt werden, und man muss neue Kampfrichter ausbilden. 

Hier entfernt man sich von den Wurzeln des Kampfrichterwesens und ist verstärkt als Manager und Organisator gefordert. – Diesen Weg wollte ich eigentlich nicht gehen, aber man gewöhnt sich mit der Zeit auch an solche Aufgaben.

    8. Was möchtest du den Kampfrichtern, auch künftigen, als „Weisheit“ ins Pflichtenheft schreiben? Oder gar möglichen Nachfolgern mit auf den Weg geben?

Immer offen an neue Aufgaben herangehen und in der aktuell turbulenten Zeit mit Ruhe die Herausforderungen bei den Wettkämpfen meistern.

 

Foto: DTU / Ingo Kutsche